Das Kunstmuseum Wolfsburg wurde von 1992 bis 1994 vom Hamburger Architekturbüro Peter Schweger und Partner als transparente Stadtloggia gebaut. Mit ihrem weit überspannenden Glasdach markiert sie den Stadteingang Süd Richtung Hollerplatz. Architektonisch steht der Solitär im Spannungsfeld zwischen dem Theaterbau von Hans Scharoun und dem Kulturzentrum von Alvar Aalto.

Zentrum des Museums ist die 16 Meter hohe Ausstellungshalle mit einem quadratischen Grundriss von 40 Metern Seitenlänge. Die Wirkung der Ausstellungen profitiert von den flexiblen Möglichkeiten der großen Ausstellungshalle, die es erlaubt, eine individuell auf die jeweilige Ausstellung zugeschnittene Architektur zu entwickeln. Der großzügige Grundriss eignet sich besonders für großdimensionierte Objekte, Environments, Installationen und Medienkunst. Die Halle ist an drei Seiten zweigeschossig von Ausstellungsräumen umgeben. Die gesamte Ausstellungsfläche beträgt 3500 Quadratmeter. Das vom ersten Obergeschoss aus separat zugängliche, zweigeschossige Studio wird als flexibler Workshop- und Präsentationsbereich zur Vermittlung der Ausstellungen genutzt.

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Blick ins Museum, © Kunstmuseum Wolfsburg, Foto: Marek Kruszewski

Japangarten

Das Kunstmuseum Wolfsburg hat als wohl einziges Museum in Europa einen Japangarten. Der ursprünglich vom Museumsarchitekten Peter Schweger konzipierte, 16 x 32 Meter große Skulpturenhof wurde ab September 2007 zu einem Ort der Stille und der Kontemplation. Die Konzeption eines Zen-Gartens steht in enger Verbindung zur Ausstellung „Japan und der Westen: Die erfüllte Leere“ desselben Jahrs. Inspiriert durch die technoide, transparent wirkende Architektur des als Stadt-Villa konzipierten Museums entstand ein Ruhepol innerhalb der Industriestadt Wolfsburg.

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Blick in den Japangarten, © Kunstmuseum Wolfsburg, Foto: Marek Kruszewski

Partnerarchitekt des Umgestaltungskonzepts war Prof. Dipl.-Ing. Kazuhisa Kawamura von der Fachhochschule Mainz. Kawamura ist seit 1973 in Deutschland tätig. Neben seiner Professur für Darstellende Geometrie, Grundlagen der Gestaltung und Architekturtheorie arbeitet er als freier Architekt in Köln.

Überdacht und mit Ruhebänken versehen, bietet der Japangarten dem Besucher die Möglichkeit zu Entspannung und Entschleunigung. Über eine Kiesfläche fällt der Blick auf eine Wand, die in ihrer Komposition und Farbe und in Zusammenspiel mit zwei weiteren, kleineren Wandscheiben dem Garten eine skulpturale Qualität verleiht. Die Natur in Form des Gartens mit Hecken, Mauern und Gebäuden zu umgeben, ist nach japanischem Verständnis kein Widerspruch, vielmehr Kennzeichen des japanischen Schönheitssinns. Die bewusste Kombination des Rational-Planvollen und des Zufällig-Natürlichen ist Charakteristikum eines japanischen Gartens. Erst durch die Einfassung, ähnlich wie bei einem Gemälde im Rahmen, wird der Garten als solcher erkannt und geschätzt.

In der großen Kiesfläche, die Wasser symbolisiert, sind Elemente des Zen-Gartens integriert. Die Steine und Pflanzen wurden nach ihrer klimatischen Tauglichkeit ausgesucht, so dass neben japanischen Bambuspflanzen hiesige Wachholderbüsche und ein Ahorn gepflanzt wurden, die durch fachgerechten Schnitt zum Bonsai entwickelt werden.

Garten und Museum sind im Idealfall keine getrennten architektonischen Werke, sondern Teile eines Gesamtkonzeptes. Beide Lebensräume gehen scheinbar fließend ineinander über und bilden eine Symbiose.

Der Japangarten des Kunstmuseum Wolfsburg ist während der Öffnungszeiten des Museums für die Besucher des Hauses (durch die Ostkabinette hinter der großen Ausstellungshalle) zugänglich.

Bei der Realisierung des Gartens wurde das Kunstmuseum großzügig von der Pon Holdings B.V., Nijkerk/Niederlande, unterstützt.