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Auf der Suche nach der Moderne im 21. Jahrhundert
Ein ästhetisches Suchprogramm

Das neue Ausstellungsprogramm und die künftigen Aktivitäten des Kunstmuseums Wolfsburg werden von einer übergreifenden Fragestellung begleitet: Auf der Suche nach der Moderne im 21. Jahrhundert. Diese neue Ausrichtung ist eine Art „Suchprogramm“, das der Gegenwart und Zukunft der ästhetischen Ideen der Moderne anhand einer Publikation und mit thematischen Ausstellungen nachspürt und diese in sinnlicher und intellektueller Form darstellt.

Meilenstein dieser Forschungsreise ist die Ausstellung Japan und der Westen. Die erfüllte Leere (22.09.2007 - 27.01.2008). Die historisch bis ins 2. vorchristliche Jahrhundert zurückreichende Schau vergegenwärtigte die immer noch überraschende Verbindung zwischen der japanischen „Schönheit der Leere“ und dem Streben nach formaler Klarheit der westlichen Moderne. Die „Reise“ in den Osten spürte im Dialog mit einer anderen Kultur den Wurzeln des westlichen Hangs zur Reduktion nach und widmete sich der Zukunft dieses Phänomens der Leere und des Minimalen im Zeitalter der Globalisierung.

Den Auftakt zu diesem ästhetischen Forschungsprogramm bildete 2006 die Ausstellung ArchiSkulptur - Dialoge zwischen Architektur und Plastik vom 18. Jahrhundert bis heute, die der neue Direktor Markus Brüderlin von seiner vorhergehenden Wirkungsstätte, der Fondation Beyeler in Riehen bei Basel über das Guggenheim Museum Bilbao nach Wolfsburg mitbrachte (s. Ausstellungen Archiv). Wolfsburg als Standort eines Weltkonzerns, als Ort einer Industrieutopie und einer realgewordenen Stadtvision ist selbst ein Ausgangspunkt und Prüfstein für das neue Arbeitskonzept des Kunstmuseums. In keiner anderen Stadt Deutschlands lassen sich globale Prozesse auf der lokalen Ebene in so vielschichtiger Weise darstellen.

Vorgesehen sind weitere Ausstellungen, die den Dialog zwischen den Kulturen fördern und interdisziplinär die Felder Kunst – Design – Architektur– Literatur – Theater, aber auch (Natur-)Wissenschaft und Technik vereinen sollen. Vorgesehen ist auch eine Publikation mit einer ausgewogenen Sammlung von Originalbeiträgen namhafter Denker, Gestalter, Künstler, Schriftsteller und Forscher, die der Frage nach der Gegenwart der Moderne in den verschiedensten Gebieten nachgehen.

Trotz der Rede von der Postmoderne beweist das Projekt der Moderne eine große Nachhaltigkeit. Die übergreifende Schwerpunktsetzung soll die Schnelllebigkeit des gegenwärtigen Ausstellungsbetriebes auffangen und dem Hause eine längerfristige inhaltliche Positionierung sichern. Eine solche gleichsam programmatische Standortbestimmung ist sowohl im Kunst- als auch im Kulturbetrieb neuartig. Das „Suchprogramm“ nimmt die Museumsbesucher mit auf eine Reise und macht sie auf einer ästhetischen und inhaltlichen Ebene vertraut mit den Herausforderungen der Globalisierung.