Das Kunstmuseum Wolfsburg kann als erstes Haus moderner Kunst in Europa seit Herbst 2007 einen Japangarten sein Eigen nennen. Die 1994 gegründete Institution im Herzen der jungen Stadt Wolfsburg erhält mit dem Japangarten einen zusätzlichen geistigen Erfahrungsbereich, der neben der riesigen Ausstellungshalle, der Zaha Hadid-Lounge, dem Restaurant und dem Museumsshop, das Serviceangebot an die Besucher erweitert. Darüber hinaus erhalten alle Bürger der Stadt eine neue Gartenanlage. Ort dieser Einrichtung ist der ursprünglich von Museumsarchitekt Peter Schweger konzipierte Skulpturenhof. Die völlige Neunutzung dieses 16 x 32 Meter großen Innenhofs setzt als Ort der Stille über die Museumsmauern hinaus einen besonderen Akzent in dieser Industriestadt. Der Japangarten im Kontext eines westlichen Kunstmuseums steht international im Zeichen des „Dialogs der Kulturen“. Damit liefert das Kunstmuseum Wolfsburg einen Beitrag zur Frage nach einer noch zu definierenden „Weltkunst“ in einer globalisierten Welt.
Die Konzeption eines Zen-Gartens stand in enger Verbindung zur Ausstellung "Japan und der Westen: Die erfüllte Leere" (22.09.2007 - 27.01.2008). Die begleitende Ausstellung, die das Phänomen der bedeutungsgeladenen Leere der Zen-Kunst mit westlicher minimalistischer Kunst kombinierte, bildete den Auftakt zur Herbstsaison und einen markanten Gegenpol zur opulenten Popästhetik, die bisher im Kunstmuseum dominierte. Inspiriert durch die technoide, leichte Architektur von Peter Schweger entstand an diesem Ort nun ein neuer Zen-Garten und bildete damit einen Ruhepol innerhalb der Industriestadt Wolfsburg. In den angrenzenden Ausstellungsräumen konnte der Besucher in die faszinierende Welt der Leere eintauchen anhand der Gegenüberstellung von kunsthandwerklichen Objekten aus Japan wie Teeschalen, Ikebana, ausgesuchten Möbelstücken oder einem Samurai-Schwert mit westlicher Kunst.
Nach eingehender Recherche konnte Professor Dipl.-Ing. Kazuhisa Kawamura von der Fachhochschule Mainz als Partner für das aufwendige Projekt gewonnen werden. Kawamura wurde in Japan geboren und ist seit 1973 in Deutschland tätig. Neben seiner Professur für Darstellende Geometrie, Grundlagen der Gestaltung und Architekturtheorie arbeitet er auch als freier Architekt in Köln.
Ein wesentliches Element des Gartens im Hof des Kunstmuseum Wolfsburg ist der Reflexionsbereich. Überdacht und mit Ruhebänken versehen, bietet er dem Besucher die Möglichkeit zu Entschleunigung und Kontemplation. Über eine Kiesfläche fällt sein Blick auf eine Betonwand, die in spezieller Komposition und Farbe und in Zusammenspiel mit zwei weiteren, kleineren Betonwänden dem Garten skulpturale Qualitäten verleiht. Die Natur in Form des Gartens mit Hecken, Mauern und Gebäuden zu umgeben bzw. einzufrieden ist nach japanischem Verständnis kein Widerspruch. Die gleichzeitige Kultivierung beider Formen charakterisiert am ehesten den japanischen Schönheitssinn. Die bewusste Kombination des Rational-Planvollen und des Zufällig-Natürlichen ist Charakteristikum eines Japanischen Garten. Die Einfriedung verstärkt die scheinbar konträren Prinzipien gegenseitig in ihrer Wirkung. Der Garten wird erst durch die Einfassung – ähnlich wie bei einem Gemälde im Rahmen – als solcher erkannt und geschätzt. Durch ihre Wirkung verändert die Mauer die Wahrnehmung der natürlichen Form.
In der großen Kiesfläche, die Wasser symbolisiert, sind Elemente des Zen-Gartens integriert. Die verwendeten Steine und Pflanzen wurden nach ihrer Tauglichkeit für den japanischen Garten ausgesucht und fachgerecht gesetzt, bzw. gepflanzt. In unserem Fall werden neben Bambuspflanzen Wachholderbüsche und ein Ahorn gepflanzt, die durch fachgerechten Schnitt zum Bonsai entwickelt werden.
Garten und Museum sind im Idealfall keine getrennten architektonischen Werke, sondern werden als Teile eines Gesamtkonzeptes wahrgenommen. Beide Lebensräume gehen scheinbar fließend ineinander über – bilden eine Symbiose. Der Garten ist auf gewisse Weise vom Haus aus erlebbar und das Haus öffnet sich zum Garten hin.
Der Japangarten des Kunstmuseum Wolfsburg ist während der Öffnungszeiten des Museums für die Besucher des Hauses zugänglich. Man betritt den Garten durch die Ausstellungsräume des Museums, aber auch direkt vom Hollerplatz aus. In der Wintersaison erfolgt der Zugang ausschließlich über die Ausstellungsräume.
Bei der Realisierung des Gartens wurde das Kunstmuseum großzügig von der Pon Holdings B.V., Nijkerk/Niederlande, unterstützt. Die 1895 gegründete Pon Holdings B.V. ist eine internationale Handelsfirma, die in unterschiedlichen Geschäftsbereichen tätig ist. Pon liefert technische Kapitalprodukte, für die Kundendienst und Finanzdienstleistungen zentrale Rollen spielen. Pon Holdings vertritt ohne Ausnahme Originalhersteller mit Markenprodukten im Bereich Automobilauslieferung (Volkswagen, Audi, SEAT, Skoda, Porsche, MAN und Continental), Materialbearbeitung (z. B. Linde, MCFA, Genie) sowie Baumaschinen und Motoren (z. B. Caterpillar). Mit etwa 8,000 Mitarbeitern in fast 500 Filialen in 11 verschiedenen Ländern ist Pon Holdings eines der größten niederländischen Familienunternehmen in privaten Händen. Für weitere Information besuchen Sie bitte die Firmenwebsite: www.pon.nl
Überdies bedanken wir uns bei Frau Teruko Balogh von der Deutsch-Japanischen Gesellschaft in Braunschweig für ihre wertvollen Anregungen.
Für weitere Informationen zum Gartenarchitekten:
http://www.kawa-mura.de
