Mit der Ausstellung „Gesammelte Werke 1“, die einen Überblick über die Erwerbungen 1993 bis 1999 zum Gegenstand hatte, wurde die erste Phase des Sammlungsaufbaus, das „Tuning Up“, abgeschlossen. Mit der Update-Reihe wurde seitdem das im Frühjahr 2000 begonnene Konzept für die Sammlungsausstellungen fortgesetzt. Zusammen mit Leihgaben und „Werken der Wunschliste“ konzipiert das Kunstmuseum seit diesem Zeitpunkt Ausstellungen auf der Grundlage des Sammlungsbestandes zu ausgewählten Themenbereichen.

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Mit der Ausstellung „XTOONE“ hatte das Kunstmuseum 1995 erstmals das Werk Georg Herolds in seiner ganzen Bandbreite vorgestellt. Mit dem „Lichthaus“ und dem „Bilderzimmer“ (beide 1995) konnten aus dieser Ausstellung eine kapitale Einzelarbeit und ein komplettes Ensemble dieses Künstlers erworben werden, in denen Herolds „fröhlicher Dekonstruktivismus mit einem kritischen Impuls“ offen zutage tritt. So vereinigt das „Bilderzimmer“ Arbeiten, die in den Jahren 1988 bis 1995 entstanden sind und in der Regel am Beginn von „Versuchsreihen“ des Künstlers standen. Es finden sich Beispiele für Ziegelstein-Bilder, Collagen aus Plastiktüten, vier Kaviarbilder und zwei Multiple-Vitrinen, die den traditionellen Kunstbegriff infrage stellen und den Betrachter systematisch verunsichern, um ihn zu einer – oft durch Humor und Ironie gewürzten – neuen Perspektive auf alltägliche Verhaltensweisen und Gegenstände zu provozieren. Einige Leihgaben wie „Die Verwandlung von Dachlatten in Gold“ werden dieses Konzept noch verdeutlichen.

Auch Manfred Pernices Werke heben sich von den Hochglanzarbeiten seiner Zeitgenossen vor allem durch ihren spröden und unfertigen Charakter ab. Zunächst scheinen sie auf vertraute Utensilien – vor allem Behältnisse verschiedener Art – abzuzielen, untergraben diese Vertrautheit jedoch bei näherem Hinschauen durch die Rohheit bzw. das Fragmentarische ihrer Verarbeitung. Seine Architekturen, Container und floßartigen Gebilde verunsichern den Betrachter, da sie zunächst keinerlei Sinn zu stiften scheinen: Pernice spricht daher auch von einem „Unsinnzusammenhang“ den der Besucher betritt, „eine unerträgliche Zumutung von Einzelaspekten, die nur als künstlerischer Entwurf akzeptabel ist und doch potenziell einen Typus alltäglicher Wahrnehmung parallelisiert. Dieser Typus ist die heterogene Situation – eine temporäre oder permanente Koexistenz von aneinander nicht interessierten Einzelaspekten. [...] Jede Beschäftigung des Betrachters mit einem Einzelaspekt ergibt Sinn, die Aspekte insgesamt jedoch nicht. Auf der Suche nach Sinnfälligkeit werden diese Unsinnsituationen meist nicht bemerkt, obwohl das Leben voll davon ist.“ Neben dem „1a Dosenfeld ’00“ aus der Sammlung wird auch Manfred Pernices documenta-Arbeit von 2002, „ESTREL: Quattro Stagioni“, präsentiert.

Mit dem „Lauf der Dinge“ und ihrem „Kanal-Video“ (zer)stören Peter Fischli und David Weiss die Erwartungen an den Umgang mit alltäglichen Dingen. Während im „Lauf der Dinge“ vornehmlich Haushaltsgegenstände in immer neuen Konstellationen in einer scheinbar endlos langen Kettenreaktion ein energiereiches Eigenleben entwickeln, wurden im „Kanal-Video“ sämtliche störenden Elemente entfernt, um in einer endlosen Geradeausfahrt durch Kanalröhren bei gleichbleibender Geschwindigkeit jede Hoffnung auf eine kurzweilige Handlung zu enttäuschen. Die Nützlichkeit, die Funktionalität der Dinge wird in einen absurden Zusammenhang überführt.

Über die Dehnung von Raum und Zeit gelingt es Bruce Nauman in seiner Videoinstallation „Falls, Pratfalls and Sleights of Hand“, den Betrachter in den Zustand der Desinformation und Verunsicherung zu führen. Indem Nauman rund um den Betrachter sowohl alltägliche Handlungsabläufe wie auch Zaubertricks bis unterhalb der Ebene des Erkennens extrem verlangsamt, schafft er ein Modell für die Undurchschaubarkeit unserer modernen, funktional differenzierten Gesellschaft.