Mit dieser Ausstellung stellt das Kunstmuseum Wolfsburg den großen tschechischen Modernisten František Kupka vor, der dem größeren Publikum in Deutschland so gut wie unbekannt ist und dessen letzte Ausstellung zwanzig Jahre zurückliegt. Unsere Ausstellung bietet die seltene Gelegenheit, seine Kunst neu zu untersuchen. Tatsächlich war Kupka der erste Künstler, der gänzlich abstrakte Bilder ausstellte. Dennoch ist der Beitrag Kupkas zur Kunst des 20. Jahrhunderts bis heute nicht ausreichend gewürdigt worden, obwohl sein Name häufig im Zusammenhang mit Kandinsky, Malewitsch und Mondrian genannt wird.

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Gezeigt werden Meisterwerke aus der Zeit vor 1932, einer Periode in der er den aufregenden Übergang vom Figurativen zum Abstrakten bewältigt. Ein faszinierendes Netzwerk von ineinander in Beziehung stehenden Themen – organisches Wachstum, kosmische Vorstellungen, spirituelle Wahrheiten, architektonische und musikalische Formen – werden in Kupkas brillant kolorierten Gemälden deutlich. Kupkas künstlerische Arbeit, genau wie sein Denken, sind komplex und holistisch. In komplizierten Serien bewegte sich Kupkas abstraktes Vokabular von Bild zu Bild von geometrischen zu organischen zu amorphen Formen. Das Mikroskop und das Teleskop faszinierten und inspirierten ihn und er empfand keinen Konflikt zwischen wissenschaftlichen, geistigen und ästhetischen Strukturen. Seine Abstraktion ist Teil der großen kreativen Rhythmen der Natur. Aus diesem Blickwinkel gesehen nehmen wir in der heutigen wissenschaftlichen Forschung, z. B. der Chaostheorie und der fraktalen Geometrie, neue Denkformen wahr, die die Abstraktion Kupkas beleuchten und uns erlauben, seine Arbeit neu einzuschätzen. Es handelt sich um alternative intellektuelle Modelle, die die konventionelle Betrachtungsweise abstrakter Kunst generell herausfordern.

Die Ausstellung wurde vom Kunstmuseum Wolfsburg initiiert und in Zusammenarbeit mit Dorothy Kosinski, The Barbara Thomas Lemmon Curator of European Art am Dallas Museum of Art sowie mit der Nationalgalerie in Prag, die die bedeutendsten Werke dieses Künstlers besitzt, erarbeitet. Ihre erste Station hatte die Ausstellung im Dallas Museum of Art, wo sie großen Publikumszuspruch erhielt; sie wird ab Februar 1998 nach der Wolfsburger Präsentation in Prag zu sehen sein.

Der Katalog enthält eine reich bebilderte Biografie des Künstlers, prägnante Einführungen zu Hauptwerken und Werkgruppen und eine ausgewählte und kommentierte Bibliografie. Der Essay „Ein Wanderer zwischen Chaos und Ordnung“ von Jaroslav Anděl, dem Direktor der Modernen Sammlung der Nationalgalerie Prag, befasst sich mit Kupkas Faszination für vielfältige naturwissenschaftliche Fragestellungen; ein Auszug aus Benoît B. Mandelbrots „Die fraktale Geometrie der Natur“ stellt den direkten wissenschaftlich-mathematischen Bezug her; Dorothy Kosinskis Essay „Die Rezeption Kupkas: Identität und Andersheit“ erläutert die Marginalisierung Kupkas in den Ideen, welche die Debatten des Modernismus und der Abstraktion in der Kunstgeschichte des 20. Jahrhunderts dominiert haben. Der Text von Pierre Brullé und Marketa Theinhardt „Malen trotz allem: František Kupka über die Erfindung in den plastischen Künsten“ bietet eine unschätzbare Führung durch Kupkas Schriften.

Katalog
František Kupka. Die abstrakten Farben des Universums/Painting the Universe. Pioneer in Abstraction
(Ausgaben in Deutsch, Englisch und Tschechisch)
Texte von Jaroslav Anděl, Franziska Baetcke, Laurence Lyon Blum, Pierre Brullé, Dorothy Kosinski, Benoît B. Mandelbrot und Marketa Theinhardt
22,5 x 30 cm, 220 S., 124 s/w und 79 farbige Abb.
Verlag Gerd Hatje, Ostfildern-Ruit 1997
ISBN 3-7757-0692-5 (deutsche Ausgabe)
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