Die Sammlung des Kunstmuseum Wolfsburg setzt zeitlich im Jahr 1968 ein, in jenem Jahr, als Lawrence Weiner (geb. 1942) in Form des Buches „Statements“ seine Spracharbeiten erstmals formulierte und damit der Konzeptkunst neue Impulse verlieh. Seither war die Rezeption des Künstlers in Deutschland eine sehr kontinuierliche und intensive. Bereits in den 70er-Jahren fanden eine Reihe von Galerieausstellungen in Düsseldorf, Berlin und München statt. Ebenso zu erwähnen sind seine Beteiligungen an der documenta in Kassel 1972 und 1982, an „Skulptur. Projekte in Münster“ im Jahr 1997 sowie seine Arbeiten, die für den öffentlichen Raum realisiert wurden.

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Im Jahr 1960, welches Weiner rückblickend als Anfang seiner künstlerischen Entwicklung versteht, ging er von New York nach Kalifornien und untersuchte dort in einer Reihe von „Cratering Pieces“ die Grenzen der herkömmlichen Bestimmung von Skulptur, indem er verschiedenartige Löcher durch die Explosion von Sprengsätzen erzeugte.

Zurück in New York begann Weiner sich mit dem Medium Malerei auseinanderzusetzen. Eine Reihe von „Propeller-Bildern“ entstand, die formal auf Fernsehtestbilder zurückgehen. In der Folge wurde eine andere Person, zumeist der zukünftige Besitzer der Arbeiten, in den Entstehungsprozess einbezogen. Format, Farbauftrag und Form des Bildes wurde gemeinsam bestimmt, sodass der künstlerische Produktionshergang transparent und die künstlerische Arbeit entmythisiert wurde. Die Trennung von Produzent und Rezipient wurde in diesen Arbeiten aufgehoben, ein wesentlicher Aspekt des Werkes war der Diskurs der Beteiligten. Weiner erkannte, dass „... wenn man sich im Wesentlichen mit der Idee dessen beschäftigt, was man macht, sei es das Herstellen von Skulpturen oder Bildern oder ein Tanz, die sauberste Art und Weise der Präsentation die verbale Information ist.“ und so setzte er die der Bilderserie zugrunde liegende Bildkonzeption 1968 schließlich in Sprache, d. h. eine Bildbeschreibung um.

Im Jahr 1972 begann Weiner, die Wände von Ausstellungsräumen direkt zu beschriften. Bis dahin waren die Werke auf Einladungskarten verschickt, auf Plakate gedruckt, auf Papierbögen verteilt oder einfach an die Wand geheftet worden. Oft war der Künstler zu Diskussionen in der Galerie anwesend. Vor allem das Plakat wurde für Weiner zum wichtigen Träger seiner Arbeiten. In vielen Fällen anonym über die Stadt verteilt, ohne Angabe des Künstlernamen oder des Veranstalters, diente es nicht mehr allein als Ankündigung, sondern war selbst Teil der Werkpräsentation. Außerhalb des institutionalisierten Kunstbetriebes wurden die Werke Anfang der 70er-Jahre in Tageszeitungen publiziert, auf Hauswände geschrieben oder im öffentlichen Raum per Schabloneninstallation verbreitet. Darüber hinaus nutzte Weiner die Verteilerstruktur auf Gebrauchsobjekten wie Streichholzschachteln, Tüchern, Aufklebern und Anstecknadeln, um sein Werk über die Grenzen des eingeweihten Kunstpublikums hinaus in Umlauf zu bringen.

Die Installation der Arbeiten in Form von Wandschriften ist eine unter vielen Möglichkeiten der Präsentation. Abhängig vom jeweiligen Raum und dem Zeitpunkt der Ausführung können sich Ausmaße, räumliche Platzierung und auch die Typografie ein und derselben Arbeit verändern.

Für die große Ausstellungshalle des Kunstmuseums Wolfsburg hat Weiner eine Arbeit konzipiert, die sich mit Farben und der Immaterialität von Licht auseinandersetzt. Auf jede der 40 x 16,5 m großen Wände wird ein Teil des Textes aufgebracht. Auch die Säulen der Halle wurden in das Gesamtkonzept mit einbezogen.

Gijs van Tuyl, der Direktor des Kunstmuseums Wolfsburg, sagt zu der Wolfsburger Arbeit: „Licht als Skulptur oder sogar als Malerei überdeckt und öffnet die Wände des Museums mit einem Farbspektrum, das an einen weltumspannenden Regenbogen denken lässt. Die Auflösung der Wände durch die sie bedeckenden Farbstreifen Rot, Blau, Grün, Violett, Gelb und die Öffnung vom Weiß der Buchstaben macht die Museumsarchitektur so transparent, dass sie fast verschwindet. Die Architektur ist nur noch Oberfläche für Texte zur Skulptur.“

„Bent & Broken Shafts of Light“ ist eine Komposition von Texten, die sich mit der vielschichtigen Realität der Wahrnehmung und individueller Assoziationen befassen, wie sie in einem Raum nebeneinander bestehen und aufeinander einwirken. „Bent & Broken Shafts of Light“ spielen auf ein besonderes Lichtphänomen, das Polar- oder Nordlicht an. Diese nachts sichtbare und nur in den nördlichen Polargebieten auftretende Leuchterscheinung zeichnet sich durch farbige Lichtlinien vorwiegend in grün, rot und blauviolett aus. Intensität, Farbe und Struktur, sogenannte Lichtbänder, variieren zeitlich und örtlich in schneller Folge, was sich in Flackern und unregelmäßiger Bewegung der Erscheinungen niederschlägt. Die Arbeit ist jedoch mehr als der Reflex eines Naturphänomens. In SEEN AS RED & USED AS SUCH, SEEN AS BLUE & USED AS SUCH etc. verweist das Verb ‚sehen‘ auf eine Aneignung der Farben, welches durch ‚used‘ (benutzt/gebraucht) unmittelbar die Malerei zum Gegenstand der Auseinandersetzung macht.

Katalog
Lawrence Weiner. Bent & Broken Shafts of Light [Künstlerbuch]
20,5 x 32,5 cm, ca. 82 S., 48 s/w und 27 farbige Abb.
Hatje Cantz Verlag, Ostfildern-Ruit 2000
ISBN 3-7757-1025-6
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