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Künstliches Licht galt zu Beginn der Moderne als Symbol modernen Lebens. Auch wenn ein Leben ohne künstliches Licht heute nicht mehr denkbar ist, wird es trotz technischer Weiterentwicklung und unbestreitbarer Vorteile auch mit Lichtverschmutzung und Energieverschwendung in Verbindung gebracht. Das Ausstellungs- und Publikationsprojekt Macht! Licht! im Kunstmuseum Wolfsburg zeigt künstlerische Positionen, die sich bewusst auf politische, ökologische oder soziale Aussagen konzentrieren und den Einsatz von Licht – und damit auch im übertragenden Sinn den Einsatz von Ressourcen – kritisch kommentieren.

Von Platons Sonnengleichnis und dem beginnenden Christentum mit der Hoffnung auf eine Welt, in der es „keine Nacht“ mehr geben werde, war Licht bis zum 20. Jahrhundert positiv konnotiert. Erst mit der Erfindung des elektrischen Lichts hat es eine negative Färbung erhalten. In seiner extremsten Anwendung werden Menschen sogar mit Licht misshandelt: Das psychisch wie physisch quälende Ausgeliefertsein einer ständigen Lichtquelle ist ein Mittel aus dem Arsenal der euphemistisch bezeichneten „weißen Folter“.

Die Ausstellung Macht! Licht! sucht im wesentlichen Unterschied zu den bisher realisierten Lichtkunst-Schauen nicht das ganz große umfassende Spektrum aller möglichen Kunstwerke, in denen elektrisches Licht auf irgendeine Art zum Einsatz kommt. Vielmehr konzentriert sie sich auf solche künstlerischen Positionen, bei denen das Licht bzw. die Lichtkunstwerke eine im weiteren Sinn politische, soziale, ökologische oder wirtschaftliche Aussage treffen. Ausgehend von ausgewählten Werken aus der Sammlung des Kunstmuseum Wolfsburg wird in der abgedunkelten Halle des Museums ein faszinierendes Spektrum an Werken der Lichtkunst präsentiert, deren konzeptuellen Reflexionsebenen sich auf folgende (gesellschafts-)politischen Bereiche fokussieren: Utopie/Dystopie; Ökologie/Biologie; Ökonomie; Gewalt/Macht; Kontrolle/Überwachung; Werbung/Manipulation; Aufklärung/Verunklärung; Grenze/Ausgrenzung; öffentlicher Raum u.a.

Zur Ausstellung erscheint eine umfangreiche zweisprachige Publikation (dt./engl.) im Verlag der Buchhandlung Walther König (gestaltet von Jan Kiesswetter, Berlin) mit Beiträgen von Andreas Beitin, Holger Broeker, Jo Joelson, Annette Krop-Benesch, Christoph Markschies, Julia Otto, Michael Schwarz u.a. aus den Bereichen Kunstwissenschaft, Soziologie, Biologie, Theologie und Philosophie.

Beteiligte Künstler*innen:

Siegrun Appelt, Awst & Walther, Maja Bajević, Matthias Berthold, Joseph Beuys, Christian Boltanski, Monica Bonvicini, Gesine Braun, Claire Fontaine, Jürgen & Nora Claus, Bill Culbert, Sven Drühl, Olafur Eliasson, Patrick Fenech, Kendell Geers, Douglas Gordon, Tue Greenfort, Petrit Halilaj, Jeppe Hein, Georg Herold, Lori Hersberger, Damien Hirst, Jenny Holzer, Stephan Huber, Alex Israel, Alfredo Jaar, Anne Marie Jugnet & Alain Clairet, John Knight, Mischa Kuball, Dominik Lejman, Claude Lévêque, Los Carpinteros, Kristin McIver, !Mediengruppe Bitnik, Gerhard Merz, Mario Merz, Tatsuo Miyajima, molitor & kuzmin, Robert Montgomery, Heike Mutter & Ulrich Genth, Maurizio Nannucci, Bruce Nauman, Warren Neidich, Nana Petzet, Daniel Pflumm, Bettina Pousttchi, Tobias Rehberger, Bernardi Roig, Gregor Schneider, Marie Sester, Paul Thek, Tim Noble & Sue Webster, Timm Ulrichs, Mariana Vassileva, Peter Weibel, Cerith Wyn Evans u. a.

Kuratoren: Andreas Beitin, Holger Broeker

 

Bildunterschrift:

Claire Fontaine, Foreigners Everywhere (German), 2011, © VG Bild-Kunst, Bonn 2019