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Der Düsseldorfer Künstler Ulrich Hensel arbeitet seit über zwei Jahrzehnten mit einer vehementen Stringenz an seinem fotografischen Werk, das sich mit einer hohen Konzentration an hauptsächlich einem Motiv abarbeitet: Baustellen. Es sind Orte, an denen sich technische, ökonomische und nicht zuletzt auch kulturelle Aktivitäten kulminieren und in dichten Beschreibungen über die Soziologie der Materialien von der Welt erzählen. Die abgelichteten Baustellen mögen zufällig gefunden aussehen, und doch sind sie sorgsam und in langwierigen Recherchewanderungen durch urbane Landschaften ausgesucht. Die Fotografien sind fokussierte „construction scapes“ und zeugen im viel zitierten Zeitalter des Anthropozäns in höchst verdichteter Weise von menschlichen Aktivitäten.

Neben der Faszination für den „Tatort“ Baustelle sind die dargestellten Örtlichkeiten im Grunde jedoch auch ein Vorwand für Hensel, malerisch in und mit seinen Fotografien arbeiten zu können – das verdeutlichen die oft großflächigen Farbfelder der verschiedensten Baumaterialien. Gerade durch ihre malerisch ausgesuchten Farbflächen offenbaren die Fotografien eine mediale Korrespondenz. Sie sind oft nahezu abstrakt, zuweilen minimalistisch: Raster, Punkte, Befestigungsvorrichtungen, Eisengitter, alles breitet sich – bedingt durch die jeweilige Funktion – streng über die Bildfläche aus und rhythmisiert sie. Ulrich Hensels Arbeiten stellen eine singuläre Position in der Fotokunst-Szene dar. Mit der Ausstellung Zwischenwelten bietet das Kunstmuseum Wolfsburg eine erste museale Übersichtpräsentation dieses besonderen fotografischen Werkes.

Kurator: Andreas Beitin

 

Bildunterschrift: Ulrich Hensel, Düsseldorf Grünstraße, 1998 © Ulrich Hensel