Andreas Gursky

Prada II

1997
Gursky Prada II Original kor3 B1920pix 72dpi2

© Andreas Gursky/Courtesy Sprüth Magers, Berlin London/VG Bild-Kunst, Bonn 2019

© Andreas Gursky/Courtesy Sprüth Magers, Berlin London/VG Bild-Kunst, Bonn 2019

Color Print
mit Rahmen: 166 x 316 cm
Ex. 3/6
Inv. 1998/09

Bereits 1996 präsentierte Andreas Gursky mit Prada I eine Fotografie, auf der eine langgestreckte Vitrine zu sehen ist, deren zwei Präsentationsflächen in die Wand eingelassen sind. Die untere Ebene wird durch einen aus der Wand in den Raum hineinragenden Sockel gebildet. Die über ihr liegende Ebene ist dagegen tiefer in die Wand eingelassen, so dass die Tiefen beider Präsentationsflächen etwa identisch sind. Die Ebenen sind durch indirektes Licht aus dem Inneren der Wand beleuchtet, sodass die in diesen Regalen stehenden Schuhe der Marke Prada (Halbschuhe, Sandaletten, Stiefel) geradezu zelebriert wirken. Das skulpturale Display war Bestandteil einer Prada-Designerboutique in der Düsseldorfer Innenstadt. Ein Jahr nach dieser Prada I betitelten Arbeit entstand Prada II.

Prada II zeigt das gleiche Ambiente wie die Vorjahresarbeit: roséfarbenen Teppichboden und entsprechende Regalböden, indirekte Beleuchtung und einen grünlichen Schimmer auf Wänden und Decke. Dennoch handelt es sich bei Prada II um keine bloße Variante oder gar Wiederholung des ersten Bildes: Der aus der Wand in den Raum ragende Sockel ist verschwunden; stattdessen sieht man nun alle Begrenzungen der Wand, die auf dieser Seite drei anstelle von zwei Präsentationsflächen enthält. Diese bleiben – und das ist zunächst der offenkundigste Unterschied – leer. Die Wandvitrine (oder Vitrinenwand?), die von ihrer Funktion beurlaubt sich selbst beleuchtend (und genügend) im Raum steht, erhält nun endgültig skulpturale Qualitäten. Die Verpackung wird zum Inhalt,[1] zum eigentlichen Gegenstand der ästhetischen Auseinandersetzung.  Holger Broeker


[1] Vgl. Ralph Rugoff, „World Perfect. Ralph Rugoff on Andreas Gursky“, in: Frieze, 43, Nov./Dez. 1998, S. 50–57, hier S. 54, und Annelie Lütgens, „Der Blick in die Vitrine oder: Schrein und Ornament“, in: Andreas Gursky. Fotografien 1994–1998, Ausst.-Kat. Kunstmuseum Wolfsburg, u. a. O., Ostfildern 1998, Textbeilage S. X–XV, hier S. XIf.