Andreas Gursky

Pyongyang V

2007
Gursky Pyongyang V B1920pix 72dpi2

© Andreas Gursky/Courtesy Sprüth Magers, Berlin London/VG Bild-Kunst, Bonn 2019

© Andreas Gursky/Courtesy Sprüth Magers, Berlin London/VG Bild-Kunst, Bonn 2019

Color Print
mit Rahmen: 307 x 219 x 6,2 cm
Ex. 2/6
Inv. 2009/02
Schenkung der Volkswagen AG

„Weshalb versammeln sich überhaupt Menschen?“[1] lautet eine der grundlegenden Fragen, denen Andreas Gursky seit nunmehr dreißig Jahren in seinen Bildern nachgeht. Für den ehemaligen Meisterschüler von Bernd Becher, dem es „um die Spezies Mensch im allgemeinen geht“[2], steht das Verhältnis des Menschen zu Natur, Technik, Freizeit und Warenwelt im Mittelpunkt seiner künstlerischen Arbeit. Orte und Räume, die durch das Tun des Menschen definiert sind – wie internationale Börsen, Großkonzerte und Festivals –, sind seit den 1990er-Jahren vermehrt anzutreffen. Der Mensch kommt dort als Individuum nicht vor, geht in der Menge auf. Dennoch kann man in diesen Bildern viel über die individuelle Freiheit der Dargestellten erfahren.

Für die Serie seiner Pyongyang-Bilder (2007) reiste Gursky zu dem dort jährlich stattfindenden Arirang-Festival, das zu Ehren des ehemaligen Parteiführers Kim Il-sung abgehalten wird. Über 100.000 Menschen wirken dabei mit, die Geschichte Nordkoreas mittels Massentänzen und Massengymnastiken aufzuführen. Auf der Tribüne hinter den Tanz-, bzw. Gymnastikformationen agieren Zehntausende anderer Mitwirkender, die aus einzelnen farbigen Pappkarten riesige Bilder nachstellen, die den Effekt einer Großbildleinwand erzielen. Die panoramaformatigen Fotografien Gurskys stellen die Diskrepanz zwischen den brillanten Farbbildern und den lächelnden Gesichtern auf der einen Seite und dem totalitären Charakter der Großveranstaltung auf der anderen Seite heraus. Auch in Pyongyang V kommen die Machtverhältnisse klar zum Ausdruck, werden im buchstäblichen Sinne ins Bild gesetzt.  Holger Broeker


[1] Andreas Gursky in: Andreas Reiter Raabe, „‚Ich glaube eher, daß es eine allgemeine Sprache der Bilder gibt.‘ Interview mit Andreas Gursky“, in: Eikon, 21/22, 1997, S. 18–21, hier S. 21.
[2] Ebd., S. 18.