Bruce Nauman

Frankfurt Portfolio

1990
Nauman Frankfurt01 B1920pix 72dpi

© VG Bild-Kunst, Bonn 2019

© VG Bild-Kunst, Bonn 2019

Eine von vier Offsetlithografien
48,5 x 33,5 cm (Blattmaß)
Ex. 31/35
Inv. 1995/01/01

Im Mappenwerk Frankfurt Portfolio (1990) nutzt Nauman die Collage-Technik, um ähnlich wie in Ten Heads Circle/In and Out mit einem Motiv verschiedene Varianten geometrischer Anordnung durchzuspielen. Jede der vier Collagen besteht aus zwei identischen Offset-Lithografien. Auf ihnen ist jeweils eine auf einem Videomonitor erscheinende Hand mit emporgestrecktem Mittelfinger zu sehen, der sich auf einen mit der Schädeldecke nach unten hängenden Wachskopf bezieht. Es handelt sich hierbei um Naumans Arbeit Perfect Balance (1989) aus der Sammlung des Museums für Moderne Kunst in Frankfurt am Main.

Der Titel der Arbeit kann im Hinblick auf die sich auf und ab bewegende Geste des emporgestreckten Mittelfingers, der auf die Schädeldecke des Mannes zielt, nur als blanker Sarkasmus interpretiert werden: Der Sitz des Intellekts ist auch hier vom übrigen Körper abgetrennt, die Augen geschlossen, der Mund wird durch einen Pfropfen verschlossen. Die auf eine eindeutig sexuelle Handlung zielende Geste auf dem Monitor erreicht den Kopf, der nur scheinbar auf dem Monitor balanciert, letztlich nicht. Die angeblich perfekte Balance zwischen der Faktizität eines in Wachs gegossenen Kopfes und der anzüglichen Geste auf einem Videomonitor – bzw. das Balancieren eines Kopfes auf einem Mittelfinger – verweist auf das Verhältnis von Sexualität und Tod. Entsprechend den nach rein geometrischen Gesichtspunkten erstellten Kompositionsvarianten, von der jede ihre eigene Berechtigung besitzt, ist auch im Hinblick auf die Deutungsmöglichkeiten keine Priorität erkennbar. Gleichgültigkeit lautet hier die Maxime.  Holger Broeker