Cindy Sherman

Untitled #182

1987
Sherman Untitled182 B1920pix 72dpi

© Cindy Sherman & Metro Pictures

© Cindy Sherman & Metro Pictures

Cibachrome
ohne Rahmen: 232,7 x 156,8 cm, mit Rahmen: 233 x 157 cm
Ex. 3/6
Inv. 1997/11

Das innerhalb von Shermans Werk auffällig große Hochformat zählt zu den sogenannten Molding Foods, die zeitgleich mit den Fairy Tales und den Disasters entstanden sind. Die Fotografie zeigt einen Ausschnitt einer „Landschaft“ von zum Teil halb verdauten Speiseresten, die von Schimmel überzogen sind. Distanz und Größenverhältnisse bleiben zunächst völlig im unklaren. Lediglich in der rechten oberen Ecke sind unter einer Keramikscherbe vier Finger einer (künstlichen) Hand auszumachen, die als Größenmaßstab dienen kann. Weitere Bruchstücke von Tafelgeschirr sowie ein Löffel sind auf das übrige Bild verteilt und bilden mit Speiseresten und Schimmel ein farbenfrohes Konglomerat. Obwohl der Schimmel den Charakter des Stilllebenhaften unterstreicht, verlangt die menschliche Hand am oberen Bildrand eine Erklärung.

Sherman hat sich hierzu wie folgt geäußert: „Ja, es scheint so, als wäre etwas passiert, aber man weiß nicht genau, was. Zudem wollte ich tatsächlich so etwas wie abstrakte Malerei vortäuschen, wobei man sich aber im nächsten Augenblick mit dem konfrontiert sieht, was ich fotografiert habe, nämlich Erbrochenes, Fauliges, Schimmel und Blut. Ich verstehe mich da als eine Malerin, die ein abstraktes Ergebnis an der Wand haben wollte und dabei erkennbare Dinge benutzt.“[1]  Holger Broeker


[1] „Cindy Sherman: ‚Ich wollte auch häßliche Bilder so attraktiv erscheinen lassen, daß man Lust hat, sie sich anzusehen‘. Ein Gespräch mit Heinz-Norbert Jocks“, in: Kunstforum International, 133, Februar–April 1996, S. 226–243,, hier S. 243.