Cindy Sherman

Untitled #255

1992
Sherman Untitled255 B1920pix 72dpi

© Cindy Sherman & Metro Pictures

© Cindy Sherman & Metro Pictures

Cibachrome
117,5 x 176 cm (inkl. Rahmen)
Ex. 2/6
Inv. 1997/12

Während sich Cindy Sherman in ihren History Portraits (1988–1990) künstliche Nasen, Brüste und Masken zulegte, hinter denen ihr Körper zunehmend verschwand, zieht sie in den Sex Pictures ihren eigenen Körper endgültig aus den Bildern zurück.[1]

In Untitled #255 dominiert eine medizinische Gliederpuppe das Bild, die sich auf einer dunkelroten Samtdecke auf Armen und Knien abstützend dem Betrachter ihr (offenbar austauschbares) Geschlechtsteil darbietet. Um sie herum liegen die Dessous, derer sie sich wohl in Eile entledigt hat, sowie eine gelbe Plastikbürste, eine rüschenverzierte Spielzeugpuppe und ein Kissen. Der Kopf der Blondine liegt auf ihrem linken Handgelenk auf, die großen braunen Augen blicken ausdruckslos ins Leere. Das vermeintlich sexuelle Angebot schlägt angesichts der Utensilien einer Minderjährigen um in Ernüchterung: „Die ‚Sex-Fotos‘ sind keine Reaktion auf Sexualität, sie versuchen vielmehr, die Leute zum Nachdenken zu bringen – darüber, was sie anturnt und warum.“[2]  Holger Broeker


[1] Vgl. Interview Matthew Weinstein mit Cindy Sherman in: Jürgen Klauke – Cindy Sherman, Ausst.-Kat. Sammlung Goetz, München, Ostfildern 1994, S. 58–61, hier S. 58.
[2] Ebd., S. 60.