Gary Hill

URA ARU (The Backside Exists)

1985-86
Hill URA ARU1 B1920pix 72dpi

© Gary Hill

© Gary Hill

Video
27:38 min., Farbe, Mono
Inv. 2004/29
Schenkung des Künstlers

Dieses Werk wurde von der Idee des „akustischen Palindroms“ inspiriert. Dabei geht es um gesprochene Versionen von Palindromen der japanischen Schriftsprache. Hill nähert sich dieser Welt der Umkehrungen als ein Ausgräber oder Exorzist, auf der Suche nach neuen Bedeutungen und Bildern, wie sie sich aus den Umkehrungen und Doppelumkehrungen von Sprache und Bewegungen ergeben. In der ersten Sequenz wird der Bauch eines Fisches vom Kopf bis zur Schwanzflosse mit einem Messer ausgeschlitzt. Währenddessen erscheinen die Buchstaben des Worts „arah“ (Bauch) in vertikaler Reihenfolge. Das vollständige Wort wird ausgesprochen. Die Sequenz wird anschließend Rückwärts abgespielt, wobei jetzt das Wort „hara“ (Innereien, Überreste eines Fisches) angestimmt wird. Weitere Bildsequenzen mit korrespondierenden Wortpaaren folgen: „asu“ / „usa“ kombiniert „morgen“ und „Melancholie“. Wortspiele und Palindrome aus der englischen Sprache wandern über die Bildfläche und schwingen in den Bedeutungen des gesprochenen Japanischen mit.

In einer Serie von konzeptionellen Vignetten (Einblendungen) erscheinen Hauptprotagonisten des No-Dramas: Gott, Mann, Frau, Dämon. In ihrem Spiel enthüllt sich die intertextuelle Verflechtung von Sprache, Bild und Zeit (was Hill „Origami-Zeit“ nennt). Die archetypischen Charaktere zitieren das No-Stück „Frau Aoi“, die Geschichte einer kränkelnden Hofdame, die traditionell durch einen gefalteten Kimono vorne auf der Bühne repräsentiert wird. Sie ist eine der Frauen des Genji, deren Eifersucht dämonische Züge annimmt; damit ihr Geist im Jenseits ruhen kann, muss sie exorziert werden. Die eingeblendeten No-Szenen verhalten sich zu den eingangs genannten Bildsequenzen wie subtextuelle Spiegelungen.  Gary Hill und Holger Broeker