Imi Knoebel

Japanischer Tisch

1984 - 1996
Knoebel Tisch B1920pix 72dpi2

© VG Bild-Kunst, Bonn 2019

© VG Bild-Kunst, Bonn 2019

Acryl auf Hartfaser; Holztisch mit Eisenstange
2-teilig, 180 x 121,5 x 90 cm
Inv. DLG 2010/01
Dauerleihgabe aus Privatbesitz

Kurzbeschreibung

Der „Japanische Tisch“ taucht in Knoebels Werk erstmals 1984 auf und wurde zusammen mit den Werken Schwarzes Quadrat auf Buffet, Rote Konstellationen, Otterlo I-V und Richard der Erste ausgestellt. Auf dem Tisch ist als Intarsie ein Schachbrett eingearbeitet. Bei der Wolfsburger Version von 1996 wird zusätzlich ein grünes Bild mittig über dem Tisch aufgehängt. In der Kunstgeschichte wird das Schachspiel vor allem mit Marcel Duchamp, der leidenschaftlicher Spieler war, in Verbindung gebracht. Duchamp sagte 1952 in einer Rede beim Schachkongress von Cazenovia über das Schachspiel: „Durch meinen engen Kontakt mit Künstlern und Schachspielern bin ich zu dem persönlichen Schluss gekommen, dass zwar nicht alle Künstler Schachspieler, aber alle Schachspieler Künstler sind.“[1]

Das grüne Quadrat wiederum nimmt Bezug auf Kasimir Malewitschs Schwarzes Quadrat, das erstmals 1915 auf der Ausstellung „0,10“ in Petrograd (heute St. Petersburg) zu sehen war. Sowohl Malewitsch als auch Duchamp gelten als bedeutende Befreier der traditionellen Vorstellung von Kunst. Malewitschs Schrift „Die Gegenstandslose Welt“ (1927/28) hatte besonderen Einfluss auf Knoebel. So berichtete er: „Damals kam dieses Buch raus, Die Gegenstandslose Welt von Malewitsch, seine Texte. Fasziniert waren wir vom Schwarzen Quadrat. Das war für uns das Phänomen, das uns völlig eingenommen hatte, das war der eigentliche Umschlag. Mit diesem Bewusstsein sind wir regelrecht mit Malewitsch hausieren gegangen. Keine Sau kannte den.“[2] Eine weitere Komponente ist die Wahl des Tisches im japanischen Design. Der Einfluss Japans, vor allem im Hinblick auf die Entwicklungen in der minimalistischen Kunst und Designästhetik nach 1900, wurde kontinuierlich in der Kunstwissenschaft untersucht und belegt, so auch in der Ausstellung „Japan und der Westen. Die erfüllte Leere“ im Kunstmuseum Wolfsburg 2007.



[1] Zit. nach Michael Ehn und Hugo Kastner, Alles über Schach. Mythen, Kuriositäten, Superlative (Freizeit & Hobby), Hannover 2010, S. 8.

[2] Ira Mazzoni, „Alles und fast Nichts. Malewitsch und die Folgen“, 2003, siehe: http://www.db-artmag.com/archiv/07/d/thema-mazzoni.html, aufgerufen am 13. Juni 2018.

Ausführliche Beschreibung