Katie Armstrong

Interlude

2013
Armstrong01

Ausstellung "Im Käfig der Freiheit", Kunstmuseum Wolfsburg 2016/17

© Katie Armstrong
Foto: Marek Kruszewski

Ausstellung "Im Käfig der Freiheit", Kunstmuseum Wolfsburg 2016/17

© Katie Armstrong
Foto: Marek Kruszewski

Animationsfilm, mit Ton: 5:30 min
Ex. 1/1 + 2 AP
312 Zeichnungen, Tusche auf Papier
Inv. 2016/04
Schenkung Freundeskreis des Kunstmuseums Wolfsburg e. V. 2016

Excerpt 46 Sek.

 

Blitze zucken, Donner grollt, Regentropfen fallen. // Der Bildschirm wird zum vierteiligen Split Screen und zeigt das Drehen einer Zigarette, weißes Rauschen im Fernseher, eine Berglandschaft und eine Wohnzimmercouch. // Zwei Bildfenster verschwinden im Schwarz. // Im Vollformat glimmt eine Filterzigarette.// …

Der Anfang von Katie Armstrongs Animationsfilm Interlude zeigt die Struktur der assoziativen Collage: von außen und innen, von Räumen und Handlungen, von Alltagsbeobachtungen und psychischen Verfassungen.

Die 1988 in New York geborene Amerikanerin arbeitet in der Technik des Hand Made Films, d. h. des kameralosen Films, in dem sie jedes Einzelbild, zuerst mit Grafit, dann mit Tusche zeichnet. Die Zeichnungen werden gescannt und dann mittels Final Cut Pro, einem Filmschnittprogramm, im Computer weiterbearbeitet. Armstrongs 5:30-minütiger Film besteht aus 312 Einzelbildern, die die Künstlerin auch als autonome Werke versteht und ausstellt.

Armstrong kombiniert das handwerklich aufwendige Verfahren, das u. a. Künstler wie Robert Breer und William Kentridge bekannt machten, mit digitaler Technologie. Diese wird jedoch nicht nur zur Bildbearbeitung genutzt, vielmehr in den Bildern selbst sichtbar, indem sie z. B. das Abschwellen des Lautstärke-Signals der Apple-Tastatur mit einer leiser werdenden Tonspur kombiniert oder den Fortschrittsbalken mit dem Hinweis „shhh, everything is fine“ einfügt.

So wie das Zwischenspiel auf der Bühne und das Intermezzo in der Musik traditionell keiner logischen narrativen bzw. musikalischen Dramaturgie folgen, vielmehr Freiräume zwischen theatralen und musikalischen Langformen sind, folgt auch Katie Armstrongs „Interlude“ keiner logischen Narration, sondern einer assoziativ-bildlichen sowie musikalischen Struktur, einem Stream of Consciousness.

Die Künstlerin, die 2013 für ein dreimonatiges Aufenthaltsstipendium als Artist in Residence beim Axel Springer Plug & Play Accelerator nach Berlin ging, lässt uns mit ihrem Film an ihren persönlichen Empfindungen und Erfahrungen aus dieser Zeit teilhaben. Sie ist allein mit einer fremden Stadt, ihr Mobiltelefon versagt, und im herbstlich grauen Berlin lotet sie ihr Alleinsein zwischen Gefühlen von Einsamkeit und unendlichen Möglichkeits- und Freiheitsräumen aus.

Katie Armstrong beschreibt ihren künstlerischen Ansatz: „Für mich geht es in meiner Arbeit wirklich darum, Erlebnisse und Gefühle zu organisieren, die sich aufgestaut haben, Dinge, von denen ich denke, dass sie universal sind. Es geht darum, etwas zu kommunizieren, das mit Worten, Bildern oder Ton alleine nicht ausgedrückt werden kann, sondern nur, wenn diese Medien zusammenarbeiten. Meine Arbeit basiert auf Rhythmus und Poesie.“[1] So ist ihr „Interlude“ auch zu verstehen als „a toast to the wonderful strangeness of solitude in a very ‚connected‘ world.“  Christiane Heuwinkel



[1] Interview mit Katie Armstrong in ignant.de: http://www.ignant.de/2015/03/20/animated-ink-drawings-by-katie-armstrong/?lang=de (letzter Zugriff am 12.08.2016).

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