Peter Keetman

Kurbelwellen geschliffen und gehärtet in Halle 4, aus der Serie "Volkswagenwerk 1953"

Keetman DLG20040433 B1920pix 72dpi

© Peter Keetman

© Peter Keetman

Silbergelatine auf Barytpapier
Abzug 31 x 24 cm
Motiv 26,3 x 22,3 cm
Inv. DLG 2004/04/33
Dauerleihgabe der Volkswagen Financial Services AG, Braunschweig

Die 71 Aufnahmen aus der Serie Volkswagenwerk 1953 von Peter Keetman zählen zu den Inkunabeln der subjektiven Industriefotografie. Keetman gehörte zur Spitze der wichtigsten fotografischen Bewegung der frühen 1950er-Jahre, der Gruppe „fotoform“, die auf der „Photo- und Filmausstellung Köln“ 1950 (ab 1951 „Photokina“) erstmals durch ihre subjektive und abstrahierende Fotografie mit großem Erfolg auf sich aufmerksam machte und bald darauf in der von Otto Steinert begründeten Fotokünstler-Bewegung „subjektive fotografie“ aufging.

Aus dem Jahr 1953 stammt Keetmans Fotoserie über die Herstellung des VW-Käfers, für die er eine Woche völlig frei als stiller Beobachter, aber ohne Auftrag im Volkswagenwerk verbrachte. Keetman charakterisiert diese Woche später als Highlight seines kreativen Schaffens: „Es gab keine Tabus. Ich war auf einmal frei, niemand befahl mir, was ich zu tun hatte. Unglaublich. Dieser Ostermontag des 6. April 1953 ...“[1].

Volkswagenwerk 1953 gehört mit der Betonung des Abstrakten und der Lichteffekte bei gleichzeitigem Blick auf das Konkrete zu den Klassikern der deutschen Industriefotografie und dokumentiert in künstlerisch-kreativer Weise ein zentrales Thema des industriellen Aufschwungs nach dem Zweiten Weltkrieg. Der „Käfer“ wurde damals aufgrund seiner Qualität, Leistungsfähigkeit und des günstigen Preis-Leistungs-Verhältnisses zur Ikone des Wirtschaftswunders. Die Fotoserie hält nicht – wie vielleicht aufgrund des Titels zu erwarten – die Produktionsprozesse im Volkswagenwerk fest, sondern konzentriert sich auf die Formenvielfalt von Teilansichten mit faszinierenden Lichteffekten. Details von Kotflügeln, Motor- und Kofferraumhauben, Nockenwellenrädern, Radkappen oder Blechteilen aus der laufenden Produktion vermitteln so den Eindruck einer künstlerisch-abstrakten Inszenierung. Selbst von Bohr- und Drehspänen gelangen Keetman beeindruckende Aufnahmen in einer Ästhetik, die von der außergewöhnlichen Beobachtungsgabe des Fotografen zeugen. Wie in seinen Naturaufnahmen hält er auch im Volkswagenwerk Motive fest, die in einzigartiger Weise die Schönheit der reinen Form unterstreichen.  Holger Broeker



[1] F.C. Gundlach, „Peter Keetman. Metaphysik der Form“, in: Peter Keetman. Volkswagenwerk 1953, Ausst.-Kat. Kunstmuseum Wolfsburg, Bielefeld 2003, S. 153–155, hier S. 153.